Die “Sache” – Feldzug gegen ein Tabu

Ein Dokumentarfilm über die erfolgreiche Mission der Menschenrechtler Annette Weber und Rüdiger Nehberg von TARGET e.V., die mit der Hilfe des Islam die genitale Verstümmelung von Mädchen und Frauen in Afrika abschaffen.
Buch/Regie: Heike Mundzeck
Kamera/Schnitt: Thomas Reinecke
Im Auftrag von ZDF/ arte

Hinweis: Bestimmte Szenen in dem Film sind ‘entschärft’. Wir haben diese Szenen optisch unscharf gemacht um einem Missbrauch vorzubeugen. Diese Szenen sind wichtig für den Film und wir brauchen eine Kultur des Hinsehens. Dies muss jedoch ohne Sensationslust und Gier geschehen. Nur wer den Mut des Hinsehens hat und nicht wegschaut, sondern Zeuge ist, der hilft den Opfern und fördert die Einhaltung der Menschenrechte.

Bitte haben Sie dafür Verständnis!

 

Die “Sache” – Feldzug gegen ein Tabu

Fatuma ist sieben Jahre alt, als die Eltern ihr ein “großes Fest” versprechen, weil sie dann “zur Frau” wird. Was sie ihr nicht sagen: An diesem Tag werden ihre Genitalien auf grausamste Art verstümmelt, ohne Betäubung, mit unsterilen Werkzeugen und lebenslang peinigenden Folgen.

Rüdiger Nehberg, Amina und Annette Weber im Jahre 2004

Im Jahr 2000 haben Rüdiger Nehberg und Annette Weber mit ihrer Menschenrechtsorganisation TARGET einen Feldzug gegen diese brutale Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika begonnen und von Anfang an alles mit der Kamera dokumentiert, darunter auch die Beschneidung der kleinen Fatuma. Die Frage nach dem „Warum?“ wurde oft mit Tradition oder dem Koran begründet.
Die schockierenden Bilder, hier zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit vorgeführt, rüttelten endlich auch die höchsten Rechtsgelehrten und Religionsführer aus vielen islamisch geprägten afrikanischen Staaten auf.

Rund 80% der verstümmelten Mädchen und Frauen sind muslimischen Glaubens. Auch in anderen Religionen wird verstümmelt und neben der Tradition auf Bibel und Thora verwiesen.
Da sich Rüdiger Nehberg dem Islam zum Dank verpflichtet fühlt (1977 retteten ihm muslimische Karawanen-Führer in der Danakil-Wüste das Leben), bat er die führenden muslimischen Gelehrten und Führer um Gespräche und erhielt Religionsgutachten über die Unhaltbarkeit des Rituals.

Auf Einladung von TARGET, Ende November 2006, versammelten sich in Kairo unter der Schirmherrschaft des Al-Azhar-Universität die führenden Rechtsgelehrten des Islam, Ärzte und Menschenrechtler, um über die bisher mit dem Koran begründete Rechtfertigung des mehr als 4000 Jahre alten Rituals zu diskutieren. Das grandiose Ergebnis: Einstimmig wurde die weibliche Genitalverstümmelung als nicht mit dem Islam vereinbar, als Verbrechen und zur “Sünde” gegen das Gebot der Unversehrtheit des weiblichen Körpers erklärt und ihre Abschaffung eingeleitet.

Betroffen sind 160 Millionen Mädchen und Frauen weltweit, vornehmlich in 28 afrikanischen Staaten oberhalb des Äquators sowie einigen asiatischen Ländern. Alle 10 Sekunden wird – immer noch – ein Mädchen verstümmelt. Der Film zeigt die jahrelange engagierte Aufklärungs-Kampagne der beiden Menschenrechtler mit ihrer “Pro Islamischen Allianz”, die in Mauretanien, Djibouti und Äthiopien, den drei von Nehberg und Weber am häufigsten besuchten Ländern, bereits nachweislich Erfolge aufweist.

Mehrere Wüstenkonferenzen und Feste, die Einrichtung einer fahrenden Krankenstation und ihre Kooperation mit dem Islam haben die Menschen beeindruckt. In den besuchten Gebieten ist die Genital-Beschneidung zurückgegangen.

Amina (rechts) mit ihrer Freundin auf dem Weg zur Krankenstation in Barachele im Jahr 2008.

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht jedoch die Geschichte von Amina, einem heute zwölfjährigen Mädchen aus dem Nomadenstamm der Afar im Osten Äthiopiens, der bis zu 50 Grad (im Schatten) heißen und unwirtlichen Danakil-Wüste. Amina wurde vor fünf Jahren als Siebenjährige nach Sitte ihres Stammes “pharaonisch” brutal beschnitten. Weber und Nehberg haben eine Patenschaft für sie und ihre Freundin übernommen und lassen die Mädchen nun in Addis Abeba zur Schule gehen und ausbilden.

Im Sommer 2006 begleitete die Hamburger Filmemacherin Heike Mundzeck im Auftrag von ARTE/ZDF die beiden Menschenrechtler deshalb nach Äthiopien. Dargestellt werden auch die historischen Hintergründe, die soziologische Bedeutung und die medizinischen Formen und Folgen der auch FGM genannten Genitalverstümmelung in drei Ländern, in denen die Rate zwischen 70 und 90 Prozent liegt.

Betroffene Frauen (und Männer als Ehemänner, Brüder), Kritiker(innen), ein Arzt, eine Ärztin, ein Lehrer, eine Kulturwissenschaftlerin geben Auskunft über das Ritual und seine Auswirkungen. So soll der 60-Minuten-Film nicht nur dokumentieren, sondern auch aufklären und zum Engagement gegen eine der grausamsten Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen auffordern, eine lebensgefährliche Folter, denen die Betroffenen – zumeist Mädchen unter zwölf Jahren – hilflos ausgeliefert sind und an der ein Drittel von ihnen unmittelbar oder an den Folgen stirbt.

Wir berichten ständig weiter über die Aktivitäten von Annette Weber, Rüdiger Nehberg und TARGET